Weltweites Home Office
12 Städte Kapstadt, Südafrika – Lissabon, Portugal – Valencia, Spanien – Sofia, Bulgarien – Hanoi, Vietnam – Chiang Mai,
Thailand – Kyoto, Japan – Kuala Lumpur, Malaysia – Lima, Peru –
Medellín, Kolumbien – Bogotá, Kolumbien – Mexico-City, Mexico
45 Mitreisende
aus: Australien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Amerika, Canada,
Argentinien, Bulgarien, Mexiko, England, China, Israel, Holland
Die Berufe der Mitreisenden
Architekten, Screenwriter, Softwareentwickler, Grafiker, Designer,
Modedesigner, Websecurity-Experte, Videoeditors, Musicclip-Produzent,
Datenspezialist, Beziehungscoach, Virtualassistent, SEO-Experte,
App-Entwickler, Fitness-Coach, Comedy-Managerin, Programmierer,
Kameramann, Übersetzerin, Webdesigner, davon: 19 Angestellte, 17
Freelancer, 9 Unternehmer
Wie alles startete
Am Anfang stand das Bedürfnis,
länger zu reisen. Aber als Verbindung von Arbeiten – Leben – Reisen.
Bei der Recherche bin ich auf die Organisation «Remote Year» gestossen,
welche genau diese Anliegen in einem Angebot zusammenfasst. Und so sass
ich am 31. März 2018 in einem Flugzeug Richtung Kapstadt, um ein Jahr
lang die Welt zu bereisen und gleichzeitig weiterhin für CAS als
Architekt zu arbeiten.
Remote Year – Work and Travel
Die Organisation Remote Year (www.remoteyear.com)
hat für mich jeweils einen Workspace, eine Unterkunft, die Transporte
in die nächste Stadt sowie kulturelle und berufliche Events organisiert.
Das ermöglichte mir, mich voll und ganz auf die Arbeit und das Erkunden
der Stadt und Kultur zu fokussieren.
Meine Reisegruppe – 45 Fremde werden in einem Jahr zu engen Freunden.
Am
01. April 2018, angekommen in Kapstadt, traf ich zum ersten Mal die 45
Menschen, welche mich nun während ein ganzes Jahr begleiten werden.
Ziemlich komisch so alleine, niemanden zu kennen, alle reden Englisch –
die meisten als Muttersprache, alle haben gerade lange Flüge hinter
sich… Beim Sonnenuntergang mit Blick auf den Table Mountain und das Meer
der erste Austausch. «Woher kommst du?» «Was arbeitest du?» «Wieso bist
du hier?» Meine Mitreisenden kamen aus 13 verschiedenen Nationen und 20
verschiedenen Berufen und waren mindestens so aufgeregt wie ich.
Workspace – die Energie am Arbeitsplatz entscheidend über Produktivität
In
jeder Stadt stand mir ein Arbeitsplatz in einem Co-Working-Space zur
Verfügung. Die unterschiedlichen Arbeitskulturen und Büroformen zu
erleben, war sehr spannend. So haben wir beispielsweise in Japan in der
Hostel Lobby gearbeitet, in Kuala Lumpur im 30. Stock in einem
Glashochhaus oder in Mexico in einem schlichten Bambus-Dachaufbau.
Architektur
und Innenarchitektur haben sich entscheidend auf das Wohlbefinden
ausgewirkt. Nebst den Details wie Verfügbarkeit von «Telefonzellen» für
Telefonate oder von Besprechungsräumen war auch die Energie der Menschen
massgebend, welche die Räume mit ihrer Arbeit belebten.
Unterkünfte – von der introvertierten Wohnung bis zur Panorama-Loge im 55 Stock
Im
ersten Monat logierte jeder Teilnehmer für sich in einem eigenen
kleinen Appartement. In den Folgemonaten hatten wir meistens 1 – 4
Mitbewohner, welche jeweils von unseren «Program Leadern» zugeteilt
wurden. Dadurch entstand jeden Monat eine neue Dynamik in der Gruppe und
wir konnten gegenseitig voneinander lernen, wie Räume vielleicht auch
anders genutzt werden könnten. So hat beispielsweise Ben aus Israel, als
wir in Valencia zusammenwohnten, spontan ein grosses «Schnitzel»
Nachtessen veranstaltet, das über 20 Leute in unserem Wohnzimmer
vereinigte. Während in der Schweiz solche Feste vielleicht zu einem
Geburtstag organisiert werden, ist das in Israel gang und gäbe. Auch
ohne speziellen Grund.
In Japan hausten wir in einer total
introvertierten Wohnung. Es gab zwar Fenster, vor diesen befand sich
jedoch direkt die Wand des nächsten Hauses. Es war super spannend zu
erfahren, wie sehr dies zum Nachdenken, Reflektieren und Rausgehen
anregt! Dies stand im puren Kontrast zu Kuala Lumpur, wo wir im 55 Stock
mit herrlicher Aussicht über die ganze Stadt in einem luxuriösen
Appartement wohnten. Dort bleibst du gerne zuhause, denn alleine der
Ausblick über die Stadt macht glücklich und zufrieden.
0.4 Mio. vs. 20 Mio. Einwohner – gar kein grosser Unterschied
Mexiko-City
mit 20 Millionen Einwohnern stelle ich mir als riesigen Moloch vor.
Gigantisch in Dimensionen und Auftritt. Diese Erwartungen haben sich bei
der Ankunft auch bestätigt, beim Flug über die Stadt bei Nacht zeigte
sich ein unendliches Lichtermeer. In alle Richtungen, soweit ich sehen
konnte, war Stadt. «Wie wird das wohl?» Es wurde ganz anders als
erwartet, ich spürte während dem Monat in Mexiko-City keinen grossen
Unterschied zu meiner Heimatstadt Luzern. Denn üblicherweise habe ich
mich im gleichen Quartier bewegt und ab und zu einen Ausflug in die
angrenzenden Quartiere unternommen. Der Bewegungsradius war nicht
grösser, als wenn ich in Luzern unterwegs bin.
Und in diesem
Bereich hatte ich alles zur Verfügung, was ich mir wünschte: Cafés,
Parks, Einkaufsmöglichkeiten … es gibt keinen Grund, sich im Alltag
aus diesem Quartier zu entfernen. Genau gleich machen dies auch meine
mexikanischen Freunde. Viele lebten im gleichen Quartier wie ich und
verbrachten die meiste Zeit dort. Der einzige wirkliche Unterschied, den
ich durch die enorme Grösse erfuhr, zeigte sich bei Ausflügen in die
Natur. Hier dauerte die Fahrt bis an die Stadtgrenze gerne mal 1 – 2
Stunden und nicht wie in Luzern 5 – 10 Minuten.
Leben aus dem Koffer – weniger ist mehr!
Im vergangenen Jahr habe ich aus dem Koffer gelebt. So wenig zu haben, war eine sehr nützliche Erfahrung und hat mir gezeigt – weniger ist tatsächlich mehr!
Ich bin mit 48 Kilogramm Gepäck rumgereist, aufgeteilt in:
- - 10 Kilogramm Arbeitssachen (Laptop, Tablet etc.)
- - 23 Kilogramm Kleider, Schuhe, dies und das
- - 15 Kilogramm Klettersachen
Das Packen für einen längeren Wochenendtrip war jeweils eine Sache
von 5 – 10 Minuten, Packen für den «Travelday» dauerte etwa 10 – 30 Minuten
und vor allem oft musste ich nie überlegen, was ich anziehen sollte, da
die Auswahl ziemlich eingeschränkt war.
Während des ganzen
Jahres habe ich lediglich drei T‑Shirts gekauft. Mehr brauchte ich
nicht. Es war toll zu erfahren, dass ich aus dem vorher zeitweilig
spürbaren Konsumzwang ausbrechen konnte.
«Traveldays» – wenn 45 Leute zusammen von Kapstadt nach Lissabon reisen
Dann
ist ordentlich was los beim Check-In, in der Lounge und im Flugzeug.
Die einen voll am Arbeiten, die andern bereits morgens um 9 Uhr bei Wein
und Bier. Die einen am Reflektieren des letzten Monats, andere voller
Vorfreude auf die nächste Stadt, manche traurig weiterzureisen, andere
froh, dass es endlich weitergeht. Die Reisetage waren meist sehr
emotional und haben fühlen lassen, wie schnell die Zeit läuft. Aus den
12 Monaten wurden sechs, dann drei…und schon war es der letzte
gemeinsame «Travelday» nach Mexiko! Hier erlebte ich eine meiner
lustigsten Situationen auf einem Reisetag: Ich befand mich auf dem Weg
mit dem Taxi an den Flughafen, als mein Chef René Chappuis aus der
Schweiz meldete, dass die CAS Server nicht funktionieren. So wurde
während des Anstehens für den Check-In mein Koffer zum mobilen
Stehtisch, um das Problem zu lösen. Digital Native pur.
«ArchitecTour» – Architektur um die Welt
In jeder
Stadt haben wir nebst den üblichen Sehenswürdigkeiten eine spezielle
Architektur-Tour unternommen. Wir haben sowohl in der Architekturszene
bekannte Gebäude besucht als auch völlig unbekannte. Diese Touren waren
jeweils ein Highlight, denn wir haben unterschiedliche, oft neue
Quartiere besucht, beeindruckende (manchmal auch weniger tolle :)
Gebäude von aussen und innen betrachtet und viele Eindrücke gesammelt.
Einige Highlights waren die global verteilten Gebäude von Santiago
Calatrava (Valencia, Lissabon, New York, Luzern), die Projekte von Tadao
Andō wie Naoshima oder das Museum Soumaya in Mexiko-City mit einem
spannenden Kontrast zwischen Innen und Aussen.
Natur – die schönsten Orte mit und ohne Einfluss der Menschen
Die
SAPA Reisfelder in Vietnam, Machu Pichu, Table Mountain, Cat Ba,
Chichén Itzá, San Blas Islands, … die Liste ist lang! Wunderbare Orte
durfte ich in diesem Jahr erkunden. Was die Natur an diesen Orten
geschaffen hat und was unsere Vorfahren teilweise ergänzt haben, ist
beeindruckend und inspirierend! Sehr eindrücklich waren die monumentalen
Bauwerke wie Tempel, Pyramiden oder Reisfelder und regten an, über die
aktuelle, oft auf Kurzfristigkeit fokussierte Bautätigkeit nachzudenken.
«Home-Office» 2.0 – Arbeiten von überall auf der Welt.
Laptop,
Tablet, Powerbank, einige Kabel in einen Rucksack und los geht’s.
Sobald eine Internetverbindung möglich ist, ist auch arbeiten möglich,
fast.
Um
produktiv zu arbeiten, ist ein differenziertes Vorgehen notwendig. Denn
für die Wochenplanung und das kreative Arbeiten ist ein Café mit
normalem Internetanschluss perfekt. Für fokussiertes Arbeiten oder
Meetings braucht es jedoch eine starke und gut funktionierende
Internetverbindung und eine entsprechend ruhige Umgebung.
Durch
die Arbeit von unterwegs konnte ich meine Produktivität dank einer
optimierten Wochenplanung halten oder gar erhöhen. Klar wollte ich jede
Stunde optimal nutzen, um möglichst bald wieder die neue Stadt oder das
Land zu erkunden. Ich versuchte, meine Arbeit in möglichst wenig Tagen
der Woche zu bewältigen, so dass ich mir einen zusätzlichen Freitag
freischaufeln konnte.
Alle Arbeiten, welche ich für mich am
Computer erledigen konnte, wurden so sehr effizient erledigt. Auch
alltägliche Telefonate, IT Support und Besprechungen waren jeweils
problemlos möglich oder gar effizienter, da die Vorbereitung jeweils
besser war. Doch grössere Meetings, wie etwa Entwurfsdiskussionen waren
für alle Beteiligten eine Herausforderung. Denn die Besprechung von
einem Projekt anhand von Plänen und Modellen gestaltete sich schwierig,
und die Dynamik ging teilweise verloren. Die vielen technischen
Möglichkeiten, wie gemeinsames Zeichnen an einem Plan auf dem IPad aus
Lima und Luzern, können dies noch nicht vollständig kompensieren.
«Planet Earth» – die Haupterkenntnis verpflichtet
Ein
Jahr mit einem Flugzeug um die Welt reisen, in Thailand ca. 50
Plastikbecher mit Eiskaffee konsumieren, in Kuala Lumpur jedes Gemüse im
Supermarkt separat verpacken… das ist überhaupt keine nachhaltige
Lebensweise. Richtig, mein vergangenes Jahr war überhaupt nicht
nachhaltig.
Vor allem die Flüge hätten mich fast davon
abgehalten, ein Jahr auf diese Art zu verbringen. Doch zu sehen,
wieviel Plastik im Meer landet, wieviel Verschmutzung durch die
Industrie verursacht wird, wie unterschiedlich der Wissenstand bezüglich
Nachhaltigkeit ist oder wie ungleich sich Menschen und Kulturen um
unsere Umwelt kümmern, hat mich bereits während der Reise dazu
veranlasst, ein Projekt zu starten. Unter dem Namen «Atlas Impact» hat
unsere Gruppe verschiedene Themen in Angriff genommen und versucht,
zumindest unseren negativen Einfluss als Reisende zu kompensieren. Dabei
habe ich festgestellt, dass ich mich stärker um die Zukunft unseres
Planeten sorge als andere, diese jedoch motivieren kann, Positives zu
bewirken.
Als Highlight dieser Aktion konnten wir im letzten
Monat mittels einem Crowdfunding (8600 Franken gesammelt in 2 Wochen)
den CO2 Ausstoss all unsere Flüge des ganzen Jahres mit unserem Partner
Cool Earth (www.coolearth.org) mehr als kompensieren.
Auch in Zukunft will ich mich für unseren Planeten einsetzen und mich im Bereich Nachhaltigkeit / Umweltschutz weiterentwickeln.
Zurück daheim – die Schweiz als wunderbarer Ort
Nach
der Reise bin ich als einer der wenigen voller Vorfreude nach Hause
gereist. Ich habe in diesem Jahr viele tolle, spannende und wunderbare
Orte gesehen, viele Kulturen entdeckt, viele Menschen kennengelernt,
doch die Schweiz mit ihrer unglaublichen Vielfalt an Möglichkeiten,
Vegetationen, Bergen, Seen, Sicherheit und Stabilität ist halt immer
noch mein Lieblingsort.
Wieder nach Hause zu kommen zu Familie,
Freunden und Bergen war ein wunderbares Gefühl und ist genau so
wertvoll, wie all die Eindrücke und Erlebnisse des tollen Jahres.
Folge Mäsi auf Instagram apropos.online um zu sehen wo seine Reise in Zukunft hingeht.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei René Chappuis
und der CAS Gruppe AG bedanken dass ich diese Reise machen konnte. Das
ist wirklich «Mehr als Architektur» und hat mich als Menschen in meinem
Leben geprägt.
Weiter ein herzliches Danke an all meine Mitarbeiter welche mich immer unterstützt haben auch wenn das Internet mal gespuckt hat!
An
meine Freunde und Familie für die Unterstützung während des ganzen
Jahres, meinen Mitreisenden für die vielen tollen Momente, Gespräche und
Erinnerungen und für die vielen tollen Fotos und Videos (inbesondere an
David April: Instagram where.is.dsa157 und Niclas Olofsson: Instragram
nip3o)!
Und zum Schluss eine Fazit von der Reise:
Die Schweiz ist eine tolle «Blase» das Wasser und die Luft sind sauber und wir können Konsumieren was wir wollen und es entsteht der Eindruck einer heilen Welt. Leider vieles zu Lasten von anderen Regionen auf der Erde wo Verschmutzungen und Ausbeutung Alltag sind. Es ist Zeit die Augen zu öffnen und ein Umdenken anzustossen! Es braucht drastische Veränderungen und wir müssen auch unsere Bedürfnisse überdenken.