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Architektur & Design

25 Jahre CAS - der Gründer, ein Macher

1994 als Einzelfirma in Willisau und Altdorf gegründet, hat CAS eine beachtliche Unternehmensentwicklung vollzogen. Im Jahre 2019 sind unter dem Dach der CAS Gruppe AG die drei Geschäftsfelder CAS Ökonomie, CAS Architektur und CAS Realisierung vereinigt. An den vier Standorten Luzern, Altdorf, Willisau und Fribourg engagieren sich rund 50 qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «An der Leidenschaft für Architektur hat sich seit der Gründung nichts verändert. Nur grösser sind wir geworden,» kommentiert René Chappuis, dipl. Architekt ETH SIA, Vorsitzender Geschäftsleitung CAS Gruppe AG. Ein Interview.

Was hat vor 25 Jahren den Ausschlag gegeben, ein eigenes Architekturunternehmen zu gründen?
Ich wollte vor allem Projekte realisieren, so wie ich es für richtig hielt. Ein Auftrag aus dem Umfeld meiner Familie gab den Startschuss.

War es denn schon immer Ihr Ziel, Unternehmer zu sein?
Ja, nach dem Studium an der ETH wollte ich möglichst vielfältige Erfahrungen sammeln. Das Organisieren liegt mir, ich ziehe gerne an und mit, will etwas bewegen. Das lässt sich als Unternehmer umsetzen.

Wie war die damalige Wirtschaftslage? Ideal für eine Unternehmensgründung?
Nein, ganz und gar nicht. Nach der Hochzinsphase Ende der 80er Jahre befand sich die Schweizer Bauwirtschaft 1994 in einer tiefen Rezession. Der Arbeitsvorrat meines Arbeitgebers war eingebrochen. Ich sah für mich jedoch eine Chance, mit Engagement vielleicht bestehen zu können, obwohl die Zeit eigentlich dagegensprach. Ausser meiner Familie hat mich in dieser Zeit niemand unterstützt. Die einzige Chance war, Vollgas voraus...

Mit welchen Herausforderungen waren Sie konfrontiert?
Ich wohnte erst seit zwei Jahren in Altdorf und hatte als «Zugewanderter» noch kein Beziehungsnetz. Mir blieben aber die Kontakte im Raum Willisau. Es war eine extrem schwierige Situation. Die Banken hätten mir für ein Autoleasing gerne einen Kredit gegeben, nicht aber ein Kontokorrent, um eine auftragslose Zeit zu überbrücken. Also lag mein Fokus bei der Akquisition. Bewerbungen verfassen, Kontakte herstellen und Dienstleistungen anbieten bestimmten zeitweise die gesamte Tätigkeit. Ich musste vor allem in Willisau Aufträge akquirieren, aber in Uri planen. Die Folge war ein langer Arbeitsweg.

Welche Schritte waren für die Unternehmensentwicklung prägend?
Nach drei Wochen konnte ich den ersten Angestellten in Teilzeit, für vorerst eine Woche engagieren. Es folgten der erste Mac und ein Laserdrucker, ein Normalpapierfax und ein eigener Fotokopierer. Das war wie ein Meilenstein. Als Glück erwies sich der Auftrag für Schatzungen im Kanton Uri. Dann folgte ein erster Wettbewerb in Liestal. Der Durchbruch gelang mit dem ersten Studienauftrag für den Pavillon 3 Kantonsschule Willisau. Der 1. Preis brachte uns 248‘000 Franken an Honorar. Die intensive Nachtarbeit hatte sich gelohnt. Nun konnte das Büro wachsen.

Besondere Freuden und Leiden im Laufe der zwei Jahrzente?
Etwas Eigenständiges realisiert zu haben, macht Freude: Der Bautenspaziergang durch die Regionen zeigt, dass wir ein beachtliches Unternehmen aufgebaut haben. Als Leiden bezeichne ich, dass man immer säen muss und erst viel, viel später ernten kann. Solange die Zuversicht jedoch nicht irreal ist, gibt es stets einen Weg. Ich denke, ich verfüge über eine gute Bodenhaftung und freue mich immer noch an meiner Tätigkeit. CAS ist ein guter Arbeitgeber mit überdurchschnittlicher Architekturqualität. Das Unternehmen ist zu einem sozialen Körper gewachsen, gut organisiert. Das macht uns stolz.

René Chappuis, der Gründer der CAS Gruppe AG

Wie bezeichnen Sie Ihren Führungsstil?
Dieser hat sich stark verändert und entwickelt. Früher war man für alles verantwortlich. Ich habe gelernt, in Strukturen zu denken und zu delegieren. Das setzt voraus, dass auch vom Gegenüber die Verantwortung wahrgenommen wird. Wir haben unser Unternehmen so organisiert, dass die einzelnen Bereiche unabhängig sind. Mit meinem Stellvertreter Martino Epp pflege ich einen intensiven Austausch. Wir haben im Tagegeschäft klare Aufgabenzuweisung und ergänzen uns gut in unseren Kompetenzen.

Sie investieren viel Zeit in CAS…
Ja, dem ist so. Ich hatte Mühe, da den Ausgleich zu finden. Ich kam mir vor wie einer, der im Erdgeschoss ins Haus rennt und schon bald übers Dach wieder ins nächste Haus stürzt, dabei sind die nachfolgenden Mitarbeiter erst kurz davor, ins Haus zu treten. Inzwischen habe ich gelernt, mich auch in Geduld zu üben. Jeder Tag ist neu und anders, die Ansammlung von Erlebnissen und Erfahrungen ist sehr bereichernd und dies in jeder Beziehung.

Bleibt noch was übrig für Freizeit?
Heute nehme ich mehr Raum, weil ich um die Wichtigkeit einer ausgeglichenen Work-Life-Balance weiss. Ich lese sehr gerne Sachbücher. Das bedeutet für mich in eine andere Welt einzutauchen, mich von ihr faszinieren zu lassen. Das empfinde ich als sehr entspannend. Neues über Pflanzen, Tiere oder die Natur zu erfahren, ist bereichernd. Aber auch Sachbücher zum Unternehmertum in all seinen Facetten führen immer wieder zu neuen Erkenntnissen.
Ich geniesse auch ein feines Essen. Ich spüre, dass mir die Ruhe hilft, um abschalten zu können. Etwas, das ich über lange Jahre hinweg nie konnte.

Wie hat sich der Markt im Laufe der Jahre verändert?
Sehr interessante Frage. Ich sehe viele Chancen, die genutzt werden können.
Aber alles braucht seine Zeit. Wir wurden früher vor allem durch die konsequente Architektur wahrgenommen. Heute ist die Architekturbranche viel ausgeglichener. Entscheidend sind Qualität, Knowhow, Kostenplanbarkeit und Kundenzufriedenheit. CAS ist auf dem Weg zur Marke und erschliesst neben dem Wohnungsbau stets neue Bereiche wie Gewerbebauten, Bauen fürs Alter und die Gesundheit. Aber auch alle Dienstleistungen rund ums Bauen wie Bewerten, Potentialanalyse oder Projektsteuerung sind zu Kompetenzen geworden. Eine grosse Stärke von CAS ist, dass wir heute die mit den Geschäftsbereichen CAS Ökonomie, CAS Architektur sowie CAS Realisierung die gesamte Wertschöpfungskette rund um Planung und Bauen abdecken. Die Entwicklung von Eigenprojekten zusammen mit externen Investoren ist zu einer Kernkompetenz gewachsen.

Wo steht CAS in 25 Jahren, wohin geht die Reise?
CAS nutzt die Zeit um sich zu entwickeln. Wir wollen uns nicht neu erfinden, aber so agil bleiben, wie Pflanzen, Sukkulenten, Nachtkerzen oder Orchideen.

«Die Sukkulenten auf meinem Velohausdach gedeihen ohne jegliches zutun. Das ist faszinierend.»

Sie haben eine Leidenschaft für Pflanzen?
Mich interessieren die Strategien der Pflanzen. Angefangen mit den Vorstellungen von Rudolf Steiner bis zu ausgewachsenen Orchideen. Das schönste Beispiel liefern Sukkulenten auf dem Velohausdach unseres Hauses. Dort hat es nur Gesteinsbrocken, aber diese Pflanzen wachsen und gedeihen. Das ist ein Mysterium. Die Pflanzengemeinschaften, die Kommunikation von Pflanzen untereinander – diese Lebenswesen sind sehr faszinierend.

Gibt es eine Lieblingspflanze?
Orchideen in der Schweiz: Frauenschuh, Hummelragwurz und das weisse Waldvögelein, alles Orchideen.

Hätten Sie sich auch vorstellen können, Gärtner oder Landschaftsarchitekt zu sein?
Wir hatten vor 28 Jahren in Cham einen Pflanzgarten vor dem Haus. Daneben wohnte eine italienische Familie, die mich in die Materie einweihte. Da war ich aber schon Architekt. Landschaftsarchitekt ist eine fesselnde Tätigkeit. Ich durfte viele Dorfplätze entwerfen und umsetzen, auch Landschaften mitprägen. In der Zwischenzeit interessiert mich aber der Mensch mehr.

Kunst und Literatur spielen eine wichtige Rolle in Ihrem Leben.
Kunst ist wie der Koriander, ich mag das einzigartige Gewürz sehr. Wenn ich Zeit habe, geniesse ich die Kunst immer. Kunst und Literatur ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es nimmt die Realität vorweg, verarbeitet sie aber auch. Es ist wie ein Hörrohr. Künstler sind Sehende.

Wo liegen diesbezüglich Ihre Vorlieben?
In der Mittelschule Willisau und im Kollegi Schwyz haben mich die Werke von Andreas Achermann, Ettiswil sehr berührt, seine Bilder der Gegenwelten üben eine einzigartige Faszination aus. Ich mag Zeitgenössisches mit Bezug zu mir, beispielsweise Andreas Achermann, Annen-Bonati, Tingulier, Luginbühl.

Wo tanken Sie Energie?
In meinen Gedanken. Das sind dann auch die Ferien.

Autor: Linda Kolly, Luzern, August 2019