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Rund um CAS

MUT FÜR VISIONEN

Wieviel Mobilität darf sich der Mensch leisten, wie viele Quadratmeter Wohnraum beanspruchen? Diesen Fragen widmete sich ein Podiumsgespräch im Viscose-Club in Emmenbrücke mit Heidi Z‘Graggen, Regierungsrätin und zukünftige Ständerätin Kanton Uri, Arno Kneubühler, CEO Procimmo SA, Tanja Schindler, Baubiologin sowie Conrad Wagner, CEO Denkfabrik Mobilität. Gefordert wurde mehr Mut für Visionen und deren Umsetzungen. Mit dieser Veranstaltung feierte die CAS Gruppe ihr 25. Unternehmensjahr.
Sie lieferten eine anregende Diskussion: v.l. Heidi Z‘Graggen, zukünftige Ständerätin Kanton Uri, Arno Kneubühler, CEO Procimmo SA, Conrad Wagner, CEO Denkfabrik Mobilität, René Chappuis, CEO CAS Gruppe, Pino Pilotto, Moderator, Tanja Schindler, Baubiologin

Knapper werdende Ressourcen, Verdichtetes Wohnen, Ansprüche an Wohn- und Lebensqualität, Klimawandel – die Baubranche steht vor Herausforderungen. „Das Thema der Nachhaltigkeit und ein schonender Umgang mit Ressourcen haben wir seit Jahren in unserem Leitbild als unternehmerische Haltung festgelegt. Die Umsetzung ist im Alltag nicht immer einfach. Politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Interessen erschweren es uns Architekten und Planern oft, diesbezüglich neue Ideen umzusetzen,“ sagt René Chappuis, CEO und Gründer der CAS Gruppe AG. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen und beschäftigt an den vier Standorten Luzern, Altdorf, Willisau und Fribourg rund 50 Mitarbeitende. Man habe das Jubiläum zum Anlass genommen, einen Blick in die Zukunft zu werfen und das Spannungsfeld der Bereiche Mobilität, Bauen und Wohnen mit Spezialisten zu beleuchten. Über hundert Gäste waren am vergangenen Donnerstag der Einladung gefolgt. Sie erlebten eine von Architekturdozent Pino Pilotto moderierte angeregte Diskussion, in welcher die kontroversen Ansichten engagiert vertreten wurden.

Architektur soll Bezug zur Region herstellen

Die künftige Urner Ständerätin Heidi Z’Graggen erläuterte die Rolle der öffentlichen Hand hinsichtlich Architektur und Qualität, die das Schaffen der rechtlichen Grundlagen im Interesse der Öffentlichkeit als Hauptaufgabe definiert: Die Richtplanung setzt sich mit der Siedlungsentwicklung auseinander, die Nutzungsplanung enthält die Umsetzung der Vorgaben durch die Gemeinden und auch der Umgang mit Bauten ausserhalb der Bauzone wird behördlich geregelt. Immer gelte es auch das übergeordnete Recht zu berücksichtigen, etwa Bundesinventare wie ISOS (schützenswerte Ortsbilder), BLN (Landschaften und Naturdenkmäler) oder IVS (historische Verkehrswege). „Die Qualitätsanforderungen werden durch die öffentliche Hand in der Bau- und Zonenordnung festgelegt. Hier werden der Ausdruck der Kernzonen oder die Pflichten der Quartiergestaltungspläne definiert,“ führte Heidi Z’Graggen aus. Bei der Ausarbeitung der Qualitätsanforderungen sei die öffentliche Hand auf die Inputs der Planer angewiesen. „Wenn ich mit dem Zug durch die Schweiz fahre, präsentiert sich mir nicht eben ein schönes Bild. Überall dominieren die gleichen Bauten. Ich wünschte mir mehr regionale Identifikation.“ Heidi Z’Graggen sieht es in erster Linie als Aufgabe der Architektur, sich für Bauten von Qualität sowie Lebensraumqualität einzusetzen. Die Bauherren und Investoren seien entsprechend zu beraten. Die öffentliche Hand habe als Bauherrin hinsichtlich der Qualität eine Vorbildfunktion und führe entsprechende qualifizierte Verfahren durch.

Wenn ich mit dem Zug durch die Schweiz fahre, präsentiert sich mir nicht eben ein schönes Bild. Überall dominieren die gleichen Bauten.

Heidi Z'Graggen

Unnötige administrative Hürden

Arno Kneubühler brachte als CEO der Procimmo SA die Investorensicht ein und forderte von der Politik mehr Mut: „Die Politik sollte gute Rahmenbedingungen schaffen, aber auch mutige Visionen sind nötig. Beides hat Luft nach oben. Die Neidkultur in gewissen Gemeinden hilft nicht, weiter mutige Visionen zu entwickeln. Man muss darauf achten, dass es nicht zu viele Gesetze und komplizierte administrative Hürden gibt.“ Die direkte Demokratie könne sich im Bauwesen zuweilen als Nachteil erweisen und das Baubewilligungsverfahren unnötig in die Länge ziehen. Kneubühler attestierte jedoch auch, dass die Anleger bei Investitionen in Immobilien hauptsächlich ökonomische Prinzipien im Auge haben. „Wir möchten alle innovative Nutzungs- und Wohnkonzepte, aber die Bereitschaft diese zu verwirklichen ist bei den Investoren noch nicht im wünschenswerten Mass vorhanden.“

Die Politik sollte gute Rahmenbedingungen schaffen, aber auch mutige Visionen sind nötig. Beides hat Luft nach oben.

Arno Kneubühler

Wohnen im Ökominihaus

Ihre Vision einer nachhaltigen Wohnform, die den Nerv der Zeit trifft und zum Umdenken ermutigen soll, hat Baubiologin Tanja Schindler mit dem Ökominihaus bereits umgesetzt. Es steht auf einer grünen Wiese in Altdorf, die ursprünglich vom Militär gebraucht und nun für Zwischennutzung freigegeben wurde. Ein Idealfall, wie Schindler ausführt, denn hinter dem Ökominihaus steht auch die Idee eines bewussten Umgangs mit der Ressource Land. Flexible Zwischennutzungen von Brachflächen statt immer mehr neue Landflächen verbrauchen. Gerade mit dieser Idee stösst sie oft an Grenzen, weil die Behörden die entsprechenden Bewilligungen verweigern. Sehr zum Unverständnis der Baubiologin: „Wie schafft man es, zukunftsfähige, sozial und kulturell nachhaltige, bezahlbare und gleichzeitig wohngesunde Lebensräume zu realisieren? Das reale Projekt Ökominihaus, gibt dazu Anregungen und Ideen und ist eine reale Auseinandersetzung mit Wohnformen der Zukunft. Eine aufgeschlossenere Haltung von Seiten der Behörden wäre ein wichtiges Signal.“

Tanja Schindler

Das SmartPhone regelt den Verkehr

Nicht nur der Bausektor wird sich in Zukunft massiv verändern. Gemäss Conrad Wagner von der Denkfabrik Mobilität in Stans, werden wir statt ausschliesslich im eigenen Auto vermehrt mit intermodalen Reiseketten unterwegs sein. „Mobilität wird zum System und integriert neu ÖV und Individualverkehr. Der Konsument entwickelt ein multimodales Verkehrsverhalten und nutzt in Abwechslung das Fahrzeug, das am besten passt, kostengünstig und Spass machend. Das SmartPhone kommuniziert Verfügbarkeit, Zugang oder Abrechnung. Es macht keinen Sinn mehr, das Auto während 23 Stunden parkiert zu lassen. Dafür ist der Boden viel zu knapp.“ Gemäss Wagner werden Gebäudesystem und Mobilitätssystem verbunden, Daten permanent ausgetauscht. „Mit SmartPhone und Apps organisiere ich die Vorgänge, erhalte individuelle Optionen oder ein Mobilitätspaket, das RideSharing, CarSharing, Taxi, Warentransporte, Bahn, Bus, und später mal Drohnenflüge zusammenstellt und verfügbar macht.“ Die Folge sei eine höhere Mobilität bei weniger Verkehr.

Conrad Wagner