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Rund um CAS

100 Tage bei CAS

Seit gut 100 Tagen ist Helen Chappuis Mitglied der Geschäftsleitung von CAS und Leiterin des Bereichs Architektur. Im Interview spricht sie über ihre Leidenschaft für Architektur, zukünftigen Wohnungsbau und die Herausforderungen der Klimaerwärmung…

Helen, nun bist du schon dreieinhalb Monate im Amt – fühlst du dich wohl in der neuen Rolle?
Helen Chappuis: Ja, ich fühle mich sehr wohl. Ich habe es noch keinen Tag bereut, mich für CAS entschieden zu haben. Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Das Problem ist einzig: Der Tag hat zu wenige Stunden, um allem gerecht zu werden. Es ist eine grosse Kunst, die Schwerpunkte richtig zu setzen.

Wie setzt Du diese?

Die Dringlichkeit der anstehenden Aufgaben beeinflusst meinen operativen Tagesablauf, wobei ich stets versuche, Zeitfenster für die Betreuung in architektonischen Fragen freizuhalten. So hat der Arbeitstag bisweilen halt mehr als die obligaten Stunden.


Gemessen an Deinen eigenen Zielen: Waren es erfolgreiche erste 100 Tage?

In diesen Monaten stand das Einarbeiten im Zentrum. Ich wollte sehen, wie CAS als Gesamtes funktioniert, wie die Teams arbeiten, welche Menschen hier welche Aufgaben erfüllen, welche Kompetenzen sie vereinigen. Das war eine sehr interessante Reise in die Unternehmenskultur von CAS. In diesem Sinne haben sich meine Erwartungen erfüllt. Ich freue mich nun darauf, mich als Bereichsleiterin Architektur einzubringen. Persönlich ist es mir wichtig, die CAS Handschrift in der Architektur sichtbar zu machen. Hier will ich starke Akzente setzen.


Woran denkst du dabei konkret?

Ich betrachte Architektur als individuelles Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Herausforderungen der Zeit wie Klimawandel, demographische Entwicklung oder Mobilität und Verkehr sowie die individuellen Bedürfnisse beeinflussen die Wohnraumentwicklung. Bei der Konzeption gilt es eine übergeordnete Sichtweise einzunehmen, welche nachhaltiges Bauen umsetzt. Materialisierung, Energieversorgung, Ausrichtung der Wohnungen, eine räumliche, flexible Raumqualität, Freiräume und der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource Land verlangen nach cleveren Lösungen, die wir mit Offenheit für Kreativität und einer innovativen Herangehensweise erbringen. Unsere Freude am Beruf soll spürbar sein.

Unsere Freude am Beruf soll spürbar sein.

Du hast Dich für deine Masterarbeit intensiv mit dem Wohnungsbau auseinandergesetzt. Wie werden wir morgen wohnen? Welche Ansprüche gilt es heute zu erfüllen?

Wir werden weg kommen von Standardwohnungen. Stattdessen sind flexible Grundrisse gefragt, die individuelle Wohnbedürfnisse und unterschiedliche Nutzungen auf einfache Weise abdecken können. Die Neutralität der Räume, neue Beziehungen der Räume untereinander werden eine wichtige Rolle spielen. Die Bedeutung von Gemeinschaftsräumen und Begegnungszonen wird zunehmen. In urbanen Zentren ist das bereits der Fall. In Chlusterwohnungen wird etwa die Küche gemeinschaftlich genutzt, in Mehrfamilienhäusern wird das Treppenhaus zur Begegnungszone, Ateliers werden zu Arbeits- und Treffpunkten. Die Wohneinheiten werden kleiner sein.


Also weniger Quadratmeter Wohnfläche für jeden Einzelnen von uns. Ist die Gesellschaft bereit zu verzichten?

Wir werden weniger Quadratmeter zur Verfügung haben, dafür aber von einer höheren räumlichen Qualität profitieren. Statt überflüssigen Korridoren etwa, erhalten wir mehr qualitative Nutzfläche. Die Wohnungen werden individuelle Bedürfnisse abdecken entsprechend den Fragen, was ist mir wirklich wichtig, was will ich alleine nutzen, wo macht eine gemeinschaftliche Nutzung für mich Sinn?


Welche Rolle kann der Architekt in diesem Zusammenhang spielen?

Er kann die Bauherrschaft für die neuen Wohnformen sensibilisieren, indem er aufzeigt, dass Bauten nebst der Funktionalität zu erfüllen auch Freude und räumliche Qualität vermitteln können.


Die Sensibiliserung der Bauherrschaft für Nachhaltigkeit ist bestimmt eine Herausforderung, vor allem wenn die Rendite des Objektes im Vordergrund steht. Wie geht CAS diese Aufgabe an?

Indem wir aufzeigen, dass nachhaltige Qualität durchaus rentabel sein kann. Günstig muss nicht billig bedeuten. Ein gutes Raumkonzept spart unnütze Verkehrsflächen ein und schafft mit flexiblen Grundrissen individuelle Qualität. Das Gebäude lässt so über Jahre ohne lästige Umbauten verschiedene Nutzungen zu.

Was ist dir persönlich bei der Architektur wichtig. Wann ist ein Projekt gut?
Das Gesamtpaket muss stimmen. Wenn die Faktoren Städtebau, Umgebung, räumliche Qualitäten, Ausgestaltung, Materialisierung sowie schöne Details ein harmonisches Ganzes ergeben. Wenn die Liebe zur Architektur spürbar wird.


Wie stellst du diese Qualität bei CAS sicher?

Mit Coaching und gegenseitigem Austausch, indem wir Vorschläge hinterfragen und stets nach kreativen Lösungen suchen.


Als Mitglied der Geschäftsleitung der CAS Gruppe AG bist du auch mit übergeordneten Unternehmensfragen konfrontiert. Bereitet das Freude?

Ja, sehr. Auch hier braucht es Liebe zur Materie. Und Geduld. Vor allem bei zeitraubenden administrativen Tätigkeiten. Das gehört halt auch dazu.


Wie beschreibst du Deinen Führungsstil?

Ich mag den offenen, konstruktiven Dialog. Einander zuhören, die Kompetenzen des Teams nutzen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln.


Frauenförderung ist ein Thema für Dich?

Dieser Begriff sollte eigentlich schon längst nicht mehr notwendig sein. Gleichberechtigung in allen Bereichen erachte ich als selbstverständlich. Für mich sind die Qualifikationen und Kompetenzen entscheidend, nicht das Geschlecht. Ich bin aber überzeugt, dass Teams mit einer geschlechtlichen Ausgewogenheit erfolgreicher operieren.


Was hat Dich in dieser Einarbeitungsphase bei CAS besonders beeindruckt?

Das selbständige Arbeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Lean Management.


Du hast als leitende Architektin bei deinem vorherigen Arbeitgeber verschiedene Wettbewerbe und Studienaufträge gewonnen. Als wie wichtig erachtest du die Teilnahme an Wettbewerben für CAS?

Als sehr wichtig. Es ist eine Chance, sich nach aussen in einer speziellen Qualität zu präsentieren. Wettbewerbe auszuarbeiten sind die schönste Tätigkeit im Berufsleben eines Architekten. Man bleibt offen für Neues, erhält neue Ideen und Impulse und lernt stets dazu. Das lässt sich sehr gut in den beruflichen Alltag transferieren.


Wie sehen die Ziele für die nächsten 100 Tage aus?

Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, CAS weiterzuentwickeln, und die klare Handschrift erkennbar machen und festigen. Wobei diese Ziele eine wesentlich längere Gültigkeit haben werden, als die nächsten 100 Tage….

Autor: Linda Kolly, Luzern, 11. Februar 2020