Dezember 2015 | Stefan Schmidiger, dipl. Architekt BA FHZ

Mut zu weniger Wohnfläche

Mut zu weniger Wohnfläche

Verdichtetes Bauen ist in den westlichen, entwickelten Ländern für Architekten, Stadt- und Raumplaner ein zentrales Thema. Vor allem auch in der Schweiz. Und das seit Jahrzehnten. Die Notwendigkeit liegt dabei auf der Hand. Die Bevölkerung der Schweiz wuchs stetig (1900, 3.3 Mio. Einwohner) auf heute rund 8.3 Mio. und ein Ende ist nicht absehbar. Im Jahr 2045 soll die Bevölkerung der Schweiz auf über 10 Mio. angewachsen sein. Zudem benötigen wir immer mehr Raum. Betrug die Wohnfläche pro Person 1980 noch 34.0m2, sind es heute deren 45.0m2. Auch diese Tendenz wird sich als Folge des laufend steigenden Wohlstandes nicht verändern.
Im Gegenzug grenzt die topografische Situation der Schweiz ganz natürlich den zur Verfügung stehenden Siedlungsraum ein. Des weiteren möchten wir die idyllischen Landschaften erhalten. Dies aus Eigennutz, aber auch aus der Perspektive des Tourismus, welcher immerhin die viertgrösste Exporteinnhmequelle der Schweiz ist.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass immer mehr Menschen auf einer kaum mehr wachsenden Siedlungsfläche Leben und Arbeiten sollen. In diesem Spannungsfeld setzt das Verdichtete Bauen an. Über die konkreten Massnahen gibt es jedoch in unserer föderalistischen Schweiz eine Vielzahl von Theorien und Ansätze. Eine Tendenz, welche sich schweizweit erkennen lässt, setzt bei der Nachverdichtung der bestehenden Siedlungsflächen an. Konkrete Massnahmen sind dabei die Erhöhung der Gebäude und das Schliessen bestehender Lücken im bebauten Siedlungsgebiet. Für die Bewohner der Quartiere bedeutet das, näher zusammenzurücken. Ein Umstand der in der Praxis immer häufiger zu Problemen führt. Sei es, dass die bestehenden Infrastrukturen an die Kapazitätsgrenze kommen oder diese in Stosszeiten gar überschreiten. Oder sei es, dass private Privilegien wie Aussicht bei einer Verdichtung begrenzt werden. Hier ist nebst den Architekten, welche vor der Aufgabe stehen qualitativ hochwertige Wohn- und Arbeitsräume zu entwerfen auch die Gesellschaft gefragt. Wir alle müssen uns künftig vermehrt der Frage nach der ökonomischen oder ideellen Sinnhaftigkeit unserer Wohn-, Arbeits- und Lebensweise stellen. Sind beispielsweise die Kinder aus dem Haus mit 150m2 Wohnfläche ausgezogen steigt der Bedarf einer vierköpfigen Familie von 37.5m2 Wohnfläche pro Person auf 75.0m2. Eine Entwicklung, die wir uns bei der aktuellen demografischen Entwicklung kaum werden leisten können.