März 2014 | René Chappuis, dipl. Architekt ETH SIA

Immobilienblase?

Immobilienblase?

Der Leerwohnungsbestandsquote liegt noch immer unter einem Prozent. Die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot ist gross, der Wohnungsmarkt funktioniert ungenügend. Erfreulicherweise engagiert sich die Bauwirtschaft mit Investitionen und leistet damit auch einen nachhaltigen Beitrag zum Florieren der Wirtschaft.

Die Warnung vor einer platzenden Immobilienblase macht seit geraumer Zeit regelmässig die Runden durch die Medienlandschaft. Und löst zwiespältige Gefühle aus. Überteuerte Preise für durchschnittliche Immobilien, ein steigendes Ungleichgewicht auf dem Hypotheken- und Immobilienmarkt. Banken, die Hypotheken scheinbar leichtfertig bewilligen, weil Zinsen und Margen tief sind und die Versuchung, das Volumen zu maximieren, gross ist.

Nun hat die Regierung dem «übermässigen Wachstum auf dem Immobilienmarkt» den Kampf angesagt. Künftig müssen die Banken ihr Eigenkapital für Wohnbauhypotheken aufstocken. Damit folgt der Bundesrat einem Antrag der Schweizerischen Nationalbank. Der erst vor einem Jahr eingeführte sogenannte antizyklischen Kapitalpuffer (AZP) wird verdoppelt: Banken sind ab dem 30. Juni 2014 verpflichtet, über die ohnehin vorgeschriebenen Reserven hinaus zusätzliche Eigenmittel von 2 Prozent der ausgegebenen Hypothekarkredite zu halten. Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, muss künftig mit höheren Hypothekarzinsen rechnen. Der boomende Immobilienmarkt soll somit abgekühlt und die Gefahr einer Blase gebannt werden. Und schon wieder ist die Rede von der Immobilienblase. Auch wenn es natürlich sinnvoll ist, den Markt zu beobachten, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu analysieren, ist es der Situation wenig förderlich, stets mit negativ behafteten Schlagwörtern zu operieren und auf Alarmismus zu machen. Pragmatismus erachte ich als konstruktiver.

Eine regionale Abflachung oder eine Stagnation der Preise ist keine Blase. Auch werden in der Schweiz Haus- oder Wohnungskäufe keineswegs arglos getätigt, und schon gar nicht Hypotheken leichtfertig vergeben. Es wird nur gebaut, was auch finanziert werden kann. Das ist ein grosser Unterschied zu der wirklichen Immobilienblase in den 80er Jahren.