Dezember 2014 | Philipp Aregger, dipl. Architekt HTL

Der Stress mit der Dichte

Der Stress mit der Dichte

In der Schweiz nimmt die Wohnbevölkerung zu, und die Menschen brauchen immer mehr Platz. Noch vor 40 Jahren beanspruchten wir pro Kopf 25 Quadratmeter Wohnraum, heute sind es 50 deren. Die Folge davon: Die Zersiedelung der Landschaft schreitet voran. Damit nicht alle Grünflächen und Erholungs-Freiräume für Menschen und wildlebende Tiere verschwinden und es trotzdem genügend Wohnraum für alle gibt, müssen die Häuser mehr in die Höhe als in die Breite wachsen. «Verdichtetes Bauen» ist das Schlagwort der Stunde.

Der Begriff freilich ist schon lange bekannt. Das Bundesgesetz über die Raumplanung von 1979 fordert, dass Bund, Kantone und Gemeinden dafür sorgen müssen, dass der Boden haushälterisch genutzt wird. Um dieses Ziel zu erfüllen, verfolgt die nationale Raumplanung das Konzept der baulichen Verdichtung. Stichworte hierfür sind etwa konsequentes Ausschöpfen bestehender Nutzungsreserven oder die Anpassung der Ausnützungsziffern in Kernzonen.

Die Definitionen im Raumplanungsgesetz sind jedoch wenig konkret. Die Richt- und Zonenplanung und deren Vollzug ist Sache von Kanton und Gemeinden. Viele Kommunen bekennen sich zwar zur Förderung einer verdichteten Bauweise, doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, sieht sich der Bauherr oft mit diversen Auflagen und komplizierten, aufwändigen Bewilligungsverfahren konfrontiert. Das verursacht unnötige Kosten, die jemand bezahlen muss. Dies liesse sich ändern mit klaren, verbindlichen Vorgaben und einem strafferen Bewilligungsverfahren. Denn die optimierte Nutzung von Ressourcen durch verdichtetes Bauen bringt eigentlich allen Beteiligten nur Vorteile.

Wachsen nach innen und der Zersiedelung entgegnen sind die Grundgedanken von gesundem Wachstum. Dass man dabei auch etwas grössere Baukörper zu akzeptieren hat, ist in Anbetracht der Erhaltung des Lebensraums Natur wohl das kleinste Übel.