November 2018

CAS gewinnt Studienauftrag

Wohnen im Alter Dagmersellen

Der von der Wohnbaugenossenschaft Burgfeld Dagmersellen an geladene Planungsbüros vergebene Wettbewerb konnte CAS mit dem Projekt «Höfli» für sich entscheiden. Das Konzept setzt die Bedürfnisse nach altersgerechtem Wohnen mit hoher Qualität um. Zwei Hauptbaukörper mit 27 Wohneinheiten formen städtebaulich eine gefasste Hofsituation, die als Begegnungszone gestaltet ist.

Die Wohnbaugenossenschaft Burgfeld Dagmersellen will im Gebiet Burgfeld auf einer Grundstückfläche von rund 4'100 Quadratmetern Wohnungen im Sinne von altersgerechtem Wohnen, oder Wohnen mit Dienstleistungen erstellen. Verschiedene Planungsbüros wurden zur Teilnahme am entsprechenden Projektwettbewerb eingeladen. Das Siegerprojekt «Höfli» von CAS überzeugte in soziologischer, wirtschaftlicher, nachhaltiger sowie architektonischer Hinsicht.

Höfli ist Zusammenleben

Das Projekt legt grossen Wert auf den Austausch und das Zusammenleben der Bewohner untereinander. Nord-Ostseitig der Baukörper spannt sich ein Park auf, welcher sich mit der Parklandschaft des Alterszentrums Eiche verbindet. Die Fassaden der Neubauten formen städtebaulich eine gefasste Hofsituation, welche direkt an den gemeinsamen Aufenthaltsbereich mit Küche auf dem Gartengeschoss anschliesst. Dieses zentrale Element des Entwurfes gibt dem „Höfli“ seinen Namen. Hier trifft man sich zu gemeinsamen Aktivitäten, und die direkte Anbindung an die bestehende Umgebungsgestaltung fördert den Dialog der Bewohner des Höflis mit jenen des Alterszentrums Eiche.

Ebenfalls mit direktem Hofzugang sind die Dienstleistungsflächen angeordnet. Die Räume können über die strassenseitige Fassade direkt erschlossen werden. Je nach Nutzung ist eine autonome Zugänglichkeit sichergestellt. Das Konzept lässt eine Erweiterung der Flächen beispielsweise für Therapieräume, Werkstätten oder einen Kinderhort im östlichen Gebäudeteil zu.

Die aussenräumlichen Qualitäten des Hofes und der Parklandschaft sind auch in der vertikalen Erschliessung erlebbar. Die Treppenhäuser liegen jeweils an der parkseitigen Fassade und ermöglichen die direkte Blickbeziehung von den Geschossen in den Grünraum. Zusammenleben heisst jedoch auch, sich bei Bedarf zurückziehen zu können. Die Wohneinheiten und die zugehörigen Balkone sind von der Parkseite abgewandt. Sie liegen an den jeweils optimal besonnten Fassaden und ermöglichen durch die Sichtbeziehung auf die untere Kirchfeldstrasse bzw. die Quartierstrasse Burgfeld das „Treiben“ in der Nachbarschaft zu erleben.

Höfli ist wirtschaftlich

Da das Gartengeschoss als Untergeschoss ausgebildet ist, sind sämtliche gemeinsamen und halböffentlichen Nutzungen von der Anrechnung an die Ausnützung befreit, ohne deren Qualität zu mindern. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die anrechenbaren Geschossflächen ausschliesslich der Wohnnutzung zugeführt werden und dadurch eine maximale Anzahl Wohneinheiten realisiert wird.

Durch die Konzeption der Gebäude sind lediglich zwei Erschliessungskerne mit Liftanlagen zu erstellen. Der Fünf-, beziehungsweise Vierspänner garantiert dadurch eine effiziente Erschliessung der Geschosse mit natürlich belichteten Treppenanlagen. Für die Orientierung der älteren Mitmenschen ein wesentlicher und unerlässlicher Vorteil für eine möglichst hohe Selbstständigkeit.

Die daraus resultierenden kompakten Gebäude weisen ein effizientes Verhältnis von Nutzfläche zu Fassadenfläche auf, was ein Garant für möglichst tiefe Investitionskosten und eine energieeffiziente Bauweise ist. Aus energetischer Sicht sollte zudem der Einsatz von Solaren-Energiegewinnungssystemen geprüft werden. Die Dachlandschaft und die Ausrichtung der Baukörper begünstigen den Einsatz solcher Systeme. Für deren Nutzung ist bereits eine durchgehende Steigzone bei den Liftkernen angedacht. Die beiden Gebäudeteile werden über einen gemeinsamen Technikraum im Untergeschoss versorgt. Für die Gewerke ist ein zentraler Übergabepunkt zu planen, ohne lange und aufwendige Grabarbeiten innerhalb der Parzelle. Auch die sekundäre Erschliessung innerhalb der Gebäude kann mit kurzen Wegen sichergestellt werden.

Höfli ist nachhaltig

Für das Höfli wurde der Schweizer Standard für altersgerechte Wohnbauten berücksichtigt.
In der gerontologischen Architektur fliessen das Wissen über das Alter(n), über die körperlichen Veränderungen des alternden Menschen und seine sich verändernden Sozialstrukturen in die Planung von Gebäuden ein. Ziel ist eine bauliche Umwelt, welche die Sicherheit und Selbständigkeit älterer Menschen, ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wie auch ihre Menschenwürde optimal unterstützt und so dazu beiträgt, auch im höheren Alter und bei körperlichen Einschränkungen ein möglichst autonomes und erfülltes Leben zu führen. Die wesentlichen Schwerpunkte im Projekt sind die hindernisfreie und von der Witterung unabhängige Erreichbarkeit aller Wohneinheiten und Infrastrukturen,  die innere Organisation der Wohneinheiten und Nasszellen, sowie die verschiedenen gemeinsamen Nutzungen und der Park. Zudem kann durch die optionale Passerelle das Höfli gedeckt an das Alterszentrum Eiche angebunden werden. Die wesentlichen Nebenräume für Container oder Abstellflächen für Fahrräder oder Swiss-Trac liegen im Gebäude und sind so direkt an den inneren Haupterschliessungen angebunden. Für Besucher steht im östlichen Gebäude auf dem Zugangsgeschoss ein Gästezimmer zur Verfügung. Dieses kann alternativ auch als Ferienbett im Zusammenhang mit dem Alterszentrum Eiche genutzt werden. Die Nasszellen genügen ebenfalls dem Standard für altersgerechte Wohnbauten.

Durch die Typologie kann die innere Organisartion der Wohngeschosse flexibel angepasst werden. Beim Bauprojekt können ohne wesentliche Eingriffe ins Konzept der Wohnungsmix angepasst werden oder weitere Formen des Zusammenlebens geprüft werden. Als innovativen Vorschlag wird eine Alters-WG im westlichen Gebäudeteil dargestellt. Die städtebauliche Setzung der Gebäude ermöglicht zudem die Erstellung eines weiteren Baukörpers entlang der Quartierstrasse Burgfeld, ohne die wesentlichen Erschliessungen anpassen zu müssen. Auch die Einstellhalle kann gegen Osten erweitert werden. Eine zusätzliche Zufahrt ist bei einer Erweiterung nicht notwendig. Für diese Option ist jedoch ein grösserer Zeithorizont im Bezug auf das Baurecht, bzw. auf die Notwendigkeit der demografischen Veränderung anzusetzen.

Höfli ist Architektur

Ziel guter Architektur ist es die Identität des Ortes zu wahren, beziehungsweise diese in einer angemessenen Art und Weise zu erweitern. Für die Konzeption des Höflis wurde einerseits der Bezug zum Bestand, andererseits der Übergang zum Einfamilienhausquartier Burgfeld gesucht. Städtebaulich gliedert sich die Anlage in zwei Hauptbaukörper. An der unteren Kirchfeldstrasse wird das ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude mit der typischen Erscheinung rückgebaut und durch einen Baukörper mit derselben Ausrichtung und einer ähnlichen Formensprache ersetzt. Wie das alte Bauernhaus begleitet der Neubau die Strasse und schafft dadurch einen Abschluss zum Park. Der zweite Baukörper folgt der Quartierstrasse Burgfeld. Dieser ist wesentlich kürzer und schafft so einen verträglichen Übergang zu den Einfamilienhäusern. Im Zwischenraum der beiden Gebäude sind die Hauptzugänge für die Bewohner angeordnet. Wie selbstverständlich werden die Bewohner zu den Eingängen geführt. Durch die Fuge wird zudem für die ankommenden Bewohner und Besucher der Blick in den Park freigegeben. Das Sockel- oder Gartengeschoss verbindet die Baukörper auf dem Niveau des Parks miteinander. Durch den natürlichen Terrainverlauf tritt das Sockelgeschoss jedoch bei dem Baukörper entlang der Quartierstrasse Burgfeld nicht in Erscheinung. Dadurch wird gegenüber den Einfamilienhäusern die Höhe des Baukörpers wesentlich reduziert.

Formal lehnen sich die Bauten an den historischen Bestand an. Die Ausgestaltung der Dachlandschaft mit den abgesenkten Traufen bricht die Gebäudehöhe und gliedert die Baukörper optimal in die ortsbauliche Situation ein. Traditionelle Elemente wie die Lukarnen und die Holzfassade runden das Gesamtbild ab und schaffen eine zeitgemässe Interpretation historischer Baukörper.

Im Innenraum werden die Bewohner mit sich stetig verändernden Blickbeziehungen überrascht. Nebst dem omnipräsenten Bezug zum Park ist besonders die Beziehung vom Zugangsgeschoss zum Gartengeschoss erwähnenswert. Die Lage der Treppen und die grosszügigen Öffnungen in der Decke verbinden die beiden Geschosse räumlich und vermitteln so zwischen den Wohnnutzungen und Gemeinschaftsbereichen im Sockelgeschoss. Auf den Geschossen sind die gemeinsamen Korridorflächen so ausgestaltet, dass sie genügend Freiraum für ein kurzes Treffen und einen Schwatz unter den Bewohnern zulassen.