Oktober 2018

Skulpturaler Baukörper als Identifikation

Für die EGK Laufen erarbeitete CAS in einem Studienauftrag einen skulpturalen Baukörper, der einen eigenen städtebaulichen Akzent setzt. Ökonomie, Ökologie, Soziologie und Gestaltung verschmelzen in einem harmonischen Architekturkonzept. 


Der Entwurf basiert auf der Idee, mit einem skulpturalen Baukörper an der Strassenkreuzung und am Eingang zu einem neuen Gebiet einen eigenen städtebaulichen Akzent zu setzen. Das Gebäude reagiert mit einem exakt geschnittenen Volumen auf die örtlichen Gegebenheiten und löst sich bewusst von den bestehenden orthogonalen Bauten ab. In seiner Gesamthöhe und Massstäblichkeit gelingt eine städtebauliche Einfügung in die Umgebung, und der Neubau wird zum integralen Bestandteil der Kreuzung.

Der Baukörper bildet sich um einen grosszügigen Innenhof, der den Neubau strukturiert. Dieser Lichthof versorgt das Innere mit Tageslicht und stellt eine Oase der Ruhe dar. Begrünte Durchdringungen schaffen eine Verbindung von Innen nach Aussen.

Die einzelnen Abteilungen der EGK sind gewahrt. Der Lichthof schafft die Verbindung mit Sichtbeziehung.  Das Wohngeschoss als Attika übernimmt die Organisationsstruktur der Bürogeschosse.

Das Erscheinungsbild wird geprägt durch die vertikalen Holzlamellen und bietet in seiner Tonalität und Reflexion neue Wahrnehmungsmöglichkeiten. Die automatisch verstellbaren Lamellen dienen als Sonnenschutz und verleihen dem Baukörper zusätzliche Tiefe. Der Wechsel von Verschleierung und Enthüllung sorgt für ein geheimnisvolles Spiel und ein sich permanent veränderndes Äusseres. 

Ökonomie – einfache Struktur
Die Einfachheit der Struktur hat eine Selbstverständlichkeit der Statik zur Folge. Der repetitive Charakter der Geschosse, angesiedelt um den Erschliessungskern, sowie der durchgehende Stützenraster führen zu einer vorteilhaften Ökonomie, ohne auf eine flexible Nutzung verzichten zu müssen. Sämtliche Holzelemente können im Werk vorgefertigt werden 

Ökologie – nachhaltiges Energiemanagement
Die vertikalen Sonnenschutzlamellen sind die Visitenkarte des Gebäudes und machen das nachhaltige Selbstverständnis der EGK nach aussen sichtbar. Das konstruktive Sonnenschutzsystem ist ein wichtiger Teil des Gebäude-Energiemanagements und verschafft ergonomische, ökologische sowie ökonomische Vorteile. Als hauptsächliche Materialen kommen Holz und Beton, zum Einsatz. Das Gebäude wird grundsätzlich nach den Prinzipien der Systemtrennung realisiert.

Soziologie – Kommunikation nach innen und aussen
Die Struktur des Gebäudes stärkt die innere Welt der EGK, ermöglicht erwünschte Privatheit und enthält vernetzte Begegnungszonen, die der Kommunikation förderlich sind. Die Kommunikation funktioniert über die Geschosse hinweg. Transparenz schafft parallel zur Intimität Offenheit und eine direkte Verbindung zur Aussenwelt. Die Einheit, das Team EGK, wird so durch den Baukörper gefördert.  

Gestaltung – repräsentativer Charakter
Der markante Neubau gibt der Strassenkreuzung, von welcher die Naustrasse über die Brücke in die Altstadt führt, ein neues Gesicht. Trotz seiner starken Präsenz bleibt das Gebäude in seinem Ausdruck und der Materialisierung schlicht und bescheiden. Das Gestaltungskonzept ermöglicht eine hohe Flexibilität und Langlebigkeit. Es basiert auf einem massiven inneren Erschliessungskern, um welchen sich die Büroräume mit verglasten Trennwänden gegen den Lichthof entwickeln. Durch die Struktur und Fassadengestaltung als Filter, sind vor Einblicken geschützte Arbeitsplätze möglich.

Innere Organisation als Organismus – Identität für Esprit
Die unternehmerische Welt erhält eine klare Identität. Die innere Organisation wird mit Sichtbezügen, verschiedenen Belichtungs- und Begegnungssituationen über alle Geschosse verbunden und präsentiert sich so als vernetzte, kommunikative Einheit. Geschossübergreifende, offene Innenräume dienen der Begegnung. Im zweiten Oberschoss befinden sich Pausenraum und Cafeteria.
Die einfache Struktur ermöglicht eine hohe Flexibilität bei der Umnutzung. Die einzelnen Geschosse können bei Bedarf an Dritte vermietet werden und dabei vom Treppenhaus, welches aktuell die Wohnungen erschliesst, zugänglich gemacht werden.

Fassade – sichtbares Bekenntnis
Die Fassade mit Lamellen aus Holz verdeutlicht die nachhaltige und naturorientierte Haltung des Unternehmens. Die vertikalen Holzlamellen bieten einerseits einen optimalen Sonnenschutz und andererseits einen Filter gegen Einblicke bei dennoch hoher Transparenz. Der Sockel besteht aus Laufener Kalkstein.

Sonnenschutzlamellen – für angenehmes Raumklima
Die vertikalen Sonnenschutzlamellen (mechanisch und motorbetrieben) prägen das Erscheinungsbild des Gebäudes. Sie sind in Gruppen zusammengefasst und können nach dem Sonnenstand ausgerichtet werden. Die gesamte Anlage wird gemäss dem jeweiligen Bedürfnis entsprechend gesteuert. Hitze- bzw. Sonnenschutz im Sommer, Wärmeeintrag im Winter und Flexibilität in der Zwischensaison (Frühling und Herbst). Mit dem konstruktiven Sonnenschutz wird die Energiequelle Sonnenlicht zu einem wichtigen Teil des Gebäude-Energiemanagements. Es ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Der automatisch gesteuerte Sonnenschutz spart nicht nur Energie für Heizung und Klimaanlagen, sondern auch künstliche Beleuchtung. Natürliches Licht bringt ergonomische, ökologische und ökonomische Vorteile. Menschen fühlen sich in freundlich ausgeleuchteten Räumen wohler, die Lust auf Leistung steigt. Qualität und Quantität des Lichts bestimmen das subjektive Wohlbefinden des Menschen entscheidend.

Konstruktion – tragender Kern
Der Kern inklusive Korridorzone ist massiv in Beton gehalten und erfüllt die Erdbebensicherheit. Die Decken der äusseren Raumzone sind als Hybridkonstruktion in Holz und Beton angedacht. Die Holzbalken - gespannt von Korridor bis Fassade - tragen die vorgefertigten Betonelementplatten, welche mittels TABS (Thermo-Aktives-Bauteil-System) zum Heizen und Kühlen aktiviert werden. Dieses System ist ideal bezüglich:
- Masse: gut als Speicher und Trägheit
- Ökonomie: einfache, vorgefertigte Teile
- Ökologie: kleiner Ressourcenverbrauch

Energiekonzept – nachhaltig orientiert
Die Energieversorgung erfolgt mittels Wärmepumpe und Erdsonde. Der konstruktive Sonnenschutz und die Energiequelle Sonnenlicht sind ein wichtiger Teil des Gebäude-Energiemanagements. Es ist eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach vorgesehen. Die zahlreichen inneren Grünflächen (Eingangshalle, Wände bei Durchdringungen) beeinflussen das Raumklima positiv.

Sicherheit – Empfang als Filter
Durch den Haupteingang gelangt man in die Eingangshalle mit dem Empfang. Nach der Vereinzelung beim Empfang befindet man sich in der Sicherheitszone. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter passieren diese. Jene, die mit dem Auto und via Einstellhalle anreisen, erreichen die Eingangshalle über das „Wohnungstreppenhaus“.

Brandschutz – individuell gestaltbar
Da kein durchgehendes Atrium entsteht, besteht die Möglichkeit, die Nutzung individuell den Bedürfnissen der Benutzer anzupassen und gleichzeitig die Anforderungen an den Brandschutz zu erfüllen. Somit können grössere und kleinere Einheiten in jeweilige Brandabschnitte eingeteilt werden.

Freiraumkonzept – schattenspendende Bäume
Der Freiraum ermöglicht verschiedene Nutzungen. Vor dem Haupteingang befindet sich ein grosszügiger Platz mit der alten Blutbuche. Die Hauptstrasse wird durch einen Vorgarten begleitet. Hinter dem Gebäude befindet sich die Besucherparkplätze. Entlang der Nebenstrasse sind die Velos untergebracht. Zum Fluss Birs erstreckt sich ein kleiner Park mit Aufenthaltsgelegenheiten und schattenspendenden Blumeneschen. Die gesamte Anlage wird durch ein amorphes Wegsystem aus Ortsbeton miteinander verbunden. Die Grünflächen sind mit Wildstauden bepflanzt. So ist der prägende Neubau mit einem stimmungsvollen Garten umschlossen.